Reichenbach hat einen neuen Oberbürgermeister

Liebe Reichenbacherinnen und Reichenbacher,

lassen Sie mich zunächst Danke sagen. Danke, dass Sie mich in das höchste Amt dieser Stadt gewählt haben. Danke für den mir ausgesprochenen Vertrauensvorschuss.

Viel haben wir gemeinsam in den letzten 25 Jahren erreicht. Insbesondere in den vergangenen zwei Wahlperioden von Dieter Kießling konnten immense Investitionen durch die Inanspruchnahme verschiedener Förderprogramme getätigt werden.

Das Stadtbild hat sich gewandelt – das ist überall sichtbar. Selbst die von Helmut Kohl versprochenen „blühenden Landschaften“ haben wir gemeinsam mit dem Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft mit der Landesgartenschau 2009 geschaffen! Wir waren Sachsens grüne Mitte.

Vor einigen Jahren hatten wir einmal ausgerechnet und ergänzend geschätzt, wieviel Geld seit der Wende in Reichenbach investiert wurde.

Wenn man das auf heute hochrechnet, dann sind in den vergangenen 25 Jahren fast eine Milliarde Euro in die Verschönerung unserer Stadt geflossen. Straßenbau, Sanierung von öffentlichen Gebäuden, Wasser/Abwasser, Strom- und Gasversorgung, aber auch private Maßnahmen in Größenordnungen.

Der Schaffung von Arbeitsplätzen wurde und wird große Bedeutung beigemessen: Von den nach der Wende weggefallenen über 5.000 Arbeitsplätzen allein in der Textilbranche konnten um die 1.500 neue geschaffen werden.

Das sind allerdings nicht genug, um die Abwanderung junger Menschen aus Reichenbach zu stoppen.

Das zeigt uns, es bleiben Aufgaben, die weitergeführt werden müssen. Aber auch neue Herausforderungen stehen an:

Wir haben eine toll sanierte Innenstadt, aber ein Sterben des Einzelhandels. Es ist ebenso ein Rückgang im Gastronomiebereich zu verzeichnen. Wir brauchen mehr Urbanität – städtisches Leben!

Um eine lebenswerte Stadt zu erhalten bzw. wieder zu werden, müssen wir gemeinsam diesen Tendenzen entgegentreten. Um sich in einer Stadt wohlzufühlen, bedarf es der entsprechenden Ausstattungsmerkmale, der sogenannten weichen Standortfaktoren.

Wir gehen, was die Finanzausstattung der Stadt angeht, keinen rosigen Zeiten entgegen. Es bedarf kluger Konzepte, die vorhandenen Einrichtungen zu erhalten und gegebenenfalls neue zu etablieren. Dieter Kießling hat immer wieder darauf hingewiesen, dass mit dem Auslaufen des Solidarpaktes die Städte und Gemeinden weitgehend auf eigenen Füßen stehen müssen. Das bedeutet, mit denen in Kontakt zu kommen, die als Steuerzahler die städtischen Einnahmen sichern und auch über die Generierung neuer Einnahmen nachzudenken.

Neben PIA III ist die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen notwendig.

Die Konsolidierung des Reichenbacher Haushaltes ist eine ständige Aufgabe, um die Leistungsfähigkeit der Stadt zu erhalten und die Dienstleistungen der Verwaltung zu sichern. Früher hatten wir auf dem Reichenbacher Anzeiger stehen: „Wirtschafts- und Hochschulstandort im Vogtland“. Das ist inzwischen leider auch vorbei.

Wir müssen der Stadt ein neues Leitbild und ein neues Profil geben: Reichenbach muss seinen Platz finden zwischen den Oberzentren Plauen und Zwickau, zwischen Auerbach und Greiz, um im interkommunalen Wettbewerb bestehen zu können. Es gilt in Zukunft, Einwohner zu gewinnen, um der Stadt durch eine ent-sprechende Größe wieder die notwendige Bedeutung zu verschaffen.

Die Fusion mit Mylau ist deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das Zusammenwachsen der beiden Städte ist ebenfalls eine große Herausforderung.

Ich möchte, dass die Reichenbacher stolz sind auf ihre Stadt, dass wir gemeinsam der Politikverdrossenheit durch Offenheit und Transparenz entgegenwirken.

Konrad Adenauer hat einmal formuliert:
„Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt's nicht.“

Ich beherzige diese Aussage und akzeptiere meine Gesprächspartner in ihrer Individualität. Damit sind wir in den allermeisten Fällen zu einem Ergebnis gekommen, auch wenn es ein Kompromiss war. Aber das Leben besteht aus vielen Kompromissen. Das ist der Grundsatz der Demokratie: Den kleinsten gemeinsamen Nenner finden und letztlich Mehrheitsentscheidungen akzeptieren.

Demokratie heißt auch, dass das politische Leben bunt ist. – nicht mehr nur rot, wie vor mehr als 25 Jahren.

Ich darf nochmals Konrad Adenauer bemühen, der sagte:
„Jede Partei ist für das Volk da und nicht für sich selbst.“

Das ist gerade das Spannende an unserer repräsentativen Demokratie, dass sich die politische Farbenvielfalt auch im Stadtrat widerspiegelt und sich aus dieser Meinungsvielfalt verschiedene Betrachtungsweisen zu einem Sachverhalt ergeben.

Und dann die beste Lösung im Sinne der Sache herauszufinden ist der Anspruch, den die Wählerinnen und Wähler an die Politiker stellen. So ist Politik, insbesondere Kommunalpolitik, nicht ein Ringen der Parteien gegeneinander, sondern vielmehr miteinander um die beste Sachlösung. Das ist mein Verständnis eines politischen Miteinanders in unserer Stadt.

Politik heißt auch, Entscheidungen zu erklären.

Durch die Einbeziehung der Bürgerschaft und einer regelmäßigen Kommunikation mit den Einwohnern sollte es uns gelingen, die Reichenbacherinnen und Reichenbacher für ihre Stadt zu begeistern und zum Mittun anzuregen.

Dazu lade ich Sie alle herzlich ein.

Ihr
Raphael Kürzinger